L’Oréal und Fotograf Vincent Peters: Eine filmreife Abmahnung (Teil 1)

L’Oréal und Fotograf Vincent Peters: Eine filmreife Abmahnung (Teil 1)

In der Medienbranche kursiert zur Zeit eine Foto-Abmahnung, die das Zeug zu einem echten Hollywood-Blockbuster mit sich bringt. Im Mittelpunkt stehen neben Superstar Diane Kruger der Kosmetikkonzern „L’Oréal“, der Blog modelvita.com, „KodakOne“ sowie die Rechtsanwaltskanzlei „Rübben und Partner“.

Ausgelöst hat die Geschichte ein Fotograf namens Vincent Peter Warfelmann, der unter dem Künstlernamen Vincent Peters firmiert. Und so nimmt die Story ihren Lauf.

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Vor rund neun Jahren, im Februar 2011, geht die deutsch-amerikanische Schauspielerin Diane Kruger auf die „Berlinale“. Sie ist zu dieser Zeit das offizielle Testimonial vom Kosmetikkonzern „L’Oréal“ und lässt sich von dessen damaligen Visagisten Andrej Baranow für ihren Auftritt auf dem international viel beachteten Red Carpet stylen.

Rund um das bekannte Event entsteht ein Foto. Wer den Schnappschuss knipste, das ist bisher unklar. Auch welche Nutzungsbedingungen vereinbart wurden. „L’Oréal“ gibt jedenfalls unmittelbar nach der „Berlinale“ Christine Leyser als Fotografin in der Presseaussendung an, die Diane Kruger im vom Visagisten des Kosmetikkonzerns gestylten Look beschreibt.

Die Pressemeldung samt Foto mit „L’Oréal“-Schriftzug landet auch bei „modelvita.com“, deren Blogger das Thema und das von „L’Oréal“ mitgesendete Pressefoto samt vorgegebener Quellenangabe „Foto: Christine Leyser“ veröffentlicht.

Und alle sind happy über den Artikel unter dem Titel Der Berlinale-Look 2011 von Diane Kruger. Vermutlich tausende Leserinnen und Leser klicken den interessanten Beitrag an, Diane Kruger sieht sich in ihrem schönen Look und „L’Oréal“ freut sich über ein Belegexemplar zu der Arbeit ihres Visagisten.

Acht Jahre vergehen und der Artikel wird zu einem Bestandteil der unendlichen Tiefen des Internets. Bis zum Oktober 2019. Dann bekommen die Betreiber von „modelvita.com“ – seit 2007 online und mittlerweile ein Projekt der „WBD – Web Business Development GmbH“ in Schleswig –  Post von KodakOne.

modelvita.com erhielt eine undurchsichtige Abmahnung.
modelvita.com erhielt eine undurchsichtige Abmahnung.

„KodakOne“, das ist eine digitale Rechteplattform für Bilder, die unrechtmäßig genutzte Fotos findet und Lizenzgebühren verlangt. Betrieben wird das Ganze von der Berliner „Ryde GmbH“ um Geschäftsführer Jan Denecke, hinter denen der bei Medien sehr beliebte Foto-Dienstleister „Wenn Digital“ steckt.

Der eingangs genannte Fotograf Vincent Peter Warfelmann alias Vincent Peters beauftragte „Kodak One“ mit der Vertretung seiner Lizenz-Interessen und verlangte von „modelvita.com“ eine Unterlassung samt Zahlung für eine Bildlizenz. Schön und gut denken sich die Blogger, das Foto aus dem betreffenden Artikel stammt ja – wie von „L’Oréal“ kommuniziert – von Christine Leyser. Und trägt auch noch den sichtbaren „L’Oréal“-Schriftzug.

Brief beantwortet, erledigt. Doch das – wahrscheinlich automatisierte – System von „KodakOne“ lässt nicht locker. Es kommen weitere E-Mails und Erinnerungen, die immer mit dem gleichen Hinweis beantwortet werden. Mittlerweile ist die „WBD – Web Business Development GmbH“ so genervt, dass sie entscheiden, das Foto offline zu nehmen.

Im November 2019 erhält „modelvita.com“ Post von Rechtsanwalt Dominik von Seefranz von der Kanzlei „Rübben und Partner“ aus Berlin. In der Angelegenheit Vincent Peter Warfelmann a la Vincent Peters gegen „WBD – Web Business Development GmbH“ verlange man ebenfalls eine Unterlassung bezüglich der Fotonutzung von Diane Kruger. Ein Anspruch auf großzügig berechneten Schadensersatz ist gleich dabei – und so kommt locker das Monatsgehalt eines gut gebuchten PR Beraters zusammen.

Ich werde nun auf die Sache aufmerksam und finde die Konstellation der Beteiligten äußerst interessant. Da ist der Hollywood-Star, um dessen Foto es geht. Da ist der kleine Blog, der seit zwölf Jahren online seine Artikel veröffentlicht und bisher nichts mit Abmahnungen zu tun hatte. Da ist die weltweit aktive Beauty-Gruppe, die Pressebilder verteilt, und von der man erwarten kann, dass die Rechtefrage der ausgesendeten Bilder geklärt ist. Vor allem, wenn sie ihr Logo auf das Foto setzt.

Da ist der Fotograf, der kein Impressum und keine Datenschutzerklärung auf seiner Webseite vincentpetersstudio.com veröffentlicht hat, aber regelmäßig Weltstars fotografiert. Bei Instagram folgen ihm 221.000 Menschen. Großen Ruhm erreichte er auch mit weiteren Abmahnfällen, die das Internet zum Beispiel aus dem Jahr 2016 hergibt. Da ist die Licensing Plattform, die schon mit einer eigenen Kryptowährung die Presse anheizte.

Und da ist der Abmahnanwalt mit seiner Kanzlei, von dem nahezu nichts online zu finden ist und dessen eigene Internetseite ruebbenpartner.de aufgrund zahlreicher fehlender Pflichtangaben und Sicherheitsstandards bis gestern selbst ein akuter Fall für jede Anwaltskammer und jeden Datenschutzbeauftragten war.

ruebbenpartner.de - seit gestern endlich auch DSGVO konform.
ruebbenpartner.de – seit gestern endlich auch DSGVO konform.

Nach meiner Anfrage fügten die Macher der Kanzlei erstmal wichtige Datenschutzangaben und eine SSL-Verschlüsselung ein. Eine ganz perfide, mindestens fünf Jahre alte Google-Maps-Einbindung ohne irgendwelche weiteren Sicherheitsangaben wurde auch entfernt. Vom Internet-Archiv der Wayback-Machine haben die Anwälte mit großer Sicherheit noch nie etwas gehört.

Ich versuche nun, Licht ins Dunkel dieser filmreifen Abmahnung zu bringen – und habe alle Beteiligten um Antworten auf meine Fragen gebeten, auch Diane Kruger persönlich.

Wer nun was geantwortet hat und wer sich gar nicht meldete, das erfahren Sie im nächsten Artikel, der kommende Woche erscheint.

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Autor: Jan-Christopher Sierks / © Fotos: Unsplash, CCO Public Domain (1), Jan-Christopher Sierks (2)