Berlin mit großem Datencheck – für Hacker
Deutschland digitalisiert. Die Bürger sollen künftig immer mehr Behördengänge bequem online erledigen können – mit elektronischem Personalausweis, digitalen Identitäten und perspektivisch auch digitalem Euro.
Berlin zeigt unterdessen schon einmal ganz aktuell auf, wie komfortabel die digitale Zukunft vor allem für Cyberkriminelle werden kann.
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Massive Schwächen
Nach einem groß angelegten Angriff auf die Berliner Landesverwaltung hat die Hackergruppe Rhysida offenbar rund 1,44 Millionen Dateien mit etwa 5,7 bis 5,8 Terabyte Daten erbeutet.
Mitte August 2026 war der Angriff entdeckt worden. Immerhin. Anfang September, nach Ablauf eines Ultimatums zur Zahlung einer Summe an die Erpresser, wurden die Daten nun im Darknet veröffentlicht.
Betroffen sind nach bisherigen Erkenntnissen unter anderem die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.
Sensible Daten
Im Datenpaket sollen sich unter anderem Adressen, Telefonnummern, Geburtsurkunden, Ausweiskopien, Personalakten, Gehaltsabrechnungen, Krankmeldungen, interne E-Mails, Verträge und sogar Passwörter im Klartext befinden.
Kurz gesagt: Wer schon immer wissen wollte, wie Behörden ihre Daten schützen, bekommt jetzt möglicherweise Anschauungsmaterial.
Sie stehen zum Herunterladen im Darknet.
Schauen wir mal
Das Land Berlin hat selbstverständlich kein Lösegeld bezahlt. Schließlich wolle man sich nicht erpressen lassen.
Eine Haltung, die bei den Hackern vermutlich ungefähr so gut ankam, wie ein abgelehnter Förderantrag beim Bürgeramt oder eine Umweltzone für Automobile.
Währenddessen laufen Ermittlungen von BKA, LKA und Staatsanwaltschaft, unterstützt vom BSI. IT-Forensiker versuchen herauszufinden, welche Daten genau abgeflossen sind und wer betroffen sein könnte.
Viel Geduld
Für Berliner Bürger gibt es derweil eine besonders moderne Lösung: Geduld. Aber das kennen sie ja in Berlin.
Einen öffentlichen Onlinecheck, mit dem man bequem feststellen könnte, ob die eigenen Daten im Leak gelandet sind, gibt es bislang nicht. Das ist konsequent analog gedacht und damit vermutlich besonders sicher.
Wer möglicherweise betroffen ist, sollte entweder ins Darknet gehen oder vorsichtshalber Passwörter ändern, Zugänge kontrollieren und bei verdächtigen E-Mails oder Anrufen besonders aufmerksam sein.
Digitale Zukunft
Während Deutschland also daran arbeitet, den Bürgern digitale Identitäten und künftig womöglich einen digitalen Euro schmackhaft zu machen, bleibt eine wichtige Frage offen.
Wie sicher ist eigentlich die digitale Brieftasche, wenn der digitale Aktenschrank schon nicht ganz dicht ist?
Die gute Nachricht: Die Verwaltung hat den Vorfall entdeckt. Immerhin hat es nicht ganz so lange gedauert wie der Bau eines Flughafens in der Hauptstadt.
Es geht weiter
Die weniger gute Nachricht: Natürlich wurde erst gehandelt, nachdem mehrere Terabyte an Daten bereits zu Hackern umgezogen waren.
Aber keine Sorge: Die Digitalisierung geht optimal weiter. Denn wenn etwas beim ersten Versuch nicht funktioniert, ist es in Deutschland traditionell keine Option, es nicht digital zu machen.
Man macht es einfach noch einmal. Zur Not per Fax. Berlin hat nun den großen Datencheck – für Hacker. Wird schon klappen.
Berlin ist sicher
Firewalls, Spam-Filter, moderne Zugriffskontrollen und andere übliche Sicherheitsmechanismen wirken angesichts von 1,44 Millionen abgeflossenen Dateien offenbar ein wenig überbewertet.
Ob man von Cloudflare, Vulnerability Scannern, Secrets Management oder VPNs schon einmal gehört hat, ist nicht bekannt. Vielleicht war das zuständige Amt auch gerade nicht erreichbar, wegen Wartungsarbeiten am Netz.
Fest steht jedenfalls: Während über digitale Identitäten und den digitalen Euro philosophiert wird, hat Berlin offenbar schon die wichtigste Funktion der Digitalisierung erfolgreich umgesetzt: Daten lassen sich verteilen – und zwar erstaunlich schnell…
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