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Abwanderungswelle – deutsche Industrie verlagert Produktion nach Osteuropa und Asien

Ein aktueller Wirtschaftsreport 2026 zeigt klaren Trend zur Verlagerung von Fertigungsstätten.

Eine anhaltende Abwanderungswelle der deutschen Industrie dokumentiert der Wirtschaftsreport 2026 der Management-Community „United Interim“.


Grundlage der Studie ist eine Umfrage unter 550 Interim Managern, geleitet von Dr. Harald Schönfeld. Das Ergebnis ist eindeutig: Für viele Industrieunternehmen lautet die zentrale Frage nicht ob, sondern wohin sie ihre Produktion verlagern – nach Osteuropa oder nach Asien.

Fast die Hälfte sieht starken Trend nach Osteuropa

Beinahe 48 Prozent der befragten Interim Manager sprechen von einem starken Trend zur Verlagerung von Fertigungsstätten nach Osteuropa. Die bevorzugten Zielländer sind Polen, Ungarn, Rumänien und Tschechien.

37 Prozent der Befragten erwarten weitere Verlagerungen nach Rumänien, 32 Prozent nach Polen, 29 Prozent sehen Ungarn in einer bevorzugten Position und 25 Prozent nennen Tschechien als attraktives Zielland.

Interim Manager Dr. Sven Mues erklärt die Hintergründe: Geringere Lohnkosten, niedrigere regulatorische Belastungen und eine investitionsfreundlichere Industriepolitik machen die Region attraktiv.

Hinzu kommen gut ausgebaute industrielle Infrastrukturen, qualifizierte Arbeitskräfte und eine enge Anbindung an europäische Absatzmärkte.

China, Indien und Vietnam als wichtige Ziele

40 Prozent der Interim Manager sehen Asien als primäres Ziel für Produktionsverlagerungen. Als wichtigste Länder gelten China (44 Prozent), Indien (43 Prozent) und Vietnam (35 Prozent). Singapur und Japan spielen mit 7 beziehungsweise 6 Prozent eine untergeordnete Rolle.

Friedhelm Best, der seit Jahrzehnten westliche Unternehmen in Asien begleitet, nennt die ausschlaggebenden Vorteile: Lohnkosten, die je nach Land bis zu 70 Prozent unter deutschem Niveau liegen, geringere Produktions- und Energiekosten sowie staatliche Förderprogramme.

Dazu kommt die Nähe zu wachstumsstarken Absatzmärkten – Asien steht für mehr als die Hälfte des globalen Wirtschaftswachstums. Hochentwickelte industrielle Cluster in China, Vietnam oder Südkorea ermöglichen zudem eingespielte Lieferketten und kürzere Innovationszyklen.

USA: Innovationsstandort mit Zukunftspotenzial

22 Prozent der befragten Interim Manager halten die USA für ein lohnendes Zielland für Produktionsstätten. Ulvi Aydin betont, dass die Vereinigten Staaten unabhängig von der aktuellen politischen Lage eines der innovativsten Länder der Welt bleiben – insbesondere bei Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz.

Klaus-Peter Stöppler verweist auf Technologien wie 3D-Druck von Gebäuden, digitale Zwillinge und Building Information Modeling als Beispiele für Innovationen, die aus den USA auch nach Deutschland übertragen werden können.

Abhängigkeiten reduzieren als strategisches Gebot

Unabhängig vom konkreten Zielland empfiehlt Jane Enny van Lambalgen verstärktes Local Sourcing, um interkontinentale Abhängigkeiten zu verringern und sich vor Lieferengpässen durch Geopolitik, Zölle oder unvorhersehbare Ereignisse zu schützen.

Christian Jung schätzt, dass Unternehmen mit globalen Lieferketten mehr als zwei Prozent ihres Jahresumsatzes investieren müssen, um diese Abhängigkeiten abzubauen. Jan Beutnagel und Ulrich Schmidt warnen ausdrücklich vor den Risiken geopolitischer Konflikte – unter anderem mit Blick auf den Spannungsherd Taiwan.

Interim Manager übernehmen Verlagerungsprojekte

Bei konkreten Verlagerungsprojekten greifen Unternehmen regelmäßig auf externe Unterstützung durch Interim Manager zurück. Im Unterschied zu Unternehmensberatern übernehmen diese als Führungskräfte auf Zeit unmittelbare operative Verantwortung.

Laut Studie sind Prozessoptimierung und Implementierung neuer Prozesse für 88 Prozent die wichtigste Aufgabe, gefolgt von Restrukturierungsmaßnahmen (87 Prozent) und Effizienzsteigerungen (72 Prozent).

77 Prozent der Befragten sehen Change Management als kritischen Erfolgsfaktor. Paul Stricker warnt vor den tiefgreifenden Auswirkungen einer Werksschließung auf die gesamte Belegschaft und betont, dass passiver Widerstand frühzeitig adressiert werden muss.

Für 67 Prozent gehört Krisenmanagement fest zum Ablauf jeder Produktionsverlagerung. Friedhelm Best ergänzt: Interkulturelle Unterschiede in Arbeitsstil, Hierarchieverständnis und Kommunikation müssen aktiv gemanagt werden, um Produktivität und Qualität am neuen Standort nachhaltig sicherzustellen.

Deutschland ist noch wettbewerbsfähig

Nur 23 Prozent der befragten Interim Manager sind fest davon überzeugt, dass Deutschland weiterhin ein attraktiver Produktionsstandort ist. 45 Prozent differenzieren: Es komme auf Branche und Umstände an.

Dr. Andreas Vieweg warnt davor, das Potenzial von Prozessoptimierungen am heimischen Standort zu unterschätzen. Ulf Camehn stellt klar, dass Verlagerungen keine Flucht vor hausgemachten Problemen sein dürfen: Wer Strategie, Führung und Prozesse im Griff hat, kann auch in Deutschland wettbewerbsfähig produzieren.

Studienleiter Dr. Harald Schönfeld fasst zusammen: Produktionsverlagerungen sind zwar in Mode gekommen, aber nicht in allen Fällen sinnvoll. Als Beleg nennt er Tesla, das Deutschland als europäischen Produktionsstandort gewählt hat – ein Signal für die fortbestehende Zukunftsfähigkeit von „Made in Germany“.

Weitere Informationen finden Interessierte online sowie aktuell bei „United Interim“ unter unitedinterim.com.

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Sven Müller

Autor | Redaktion: media@sierks.media