Ein "Wiederhören" mit HB-Männchen, Pril-Ente und Hustinetten-Bär | PR Agent <script>

Ein „Wiederhören“ mit HB-Männchen, Pril-Ente und Hustinetten-Bär

Ein "Wiederhören" mit HB-Männchen, Pril-Ente und Hustinetten-Bär

Radioreklame ist ein perfekter Spiegel seiner Zeit: „Dem Liebsten das Beste, der Wäsche Persil“, dieser Radiospot aus den 50er-Jahren würde heute wohl keine Hausfrau und erst recht keinen Hausmann zum Kauf von supermodernen High-Tech-Waschmitteltabs bewegen.

Die Universität Regensburg hütet in ihrem Historischen Werbefunkarchiv über 50.000 solcher Spots und damit die bundesweit größte Sammlung dieser wertvollen Tondokumente. Mit der Digitalisierung der rund 8.000 Magnettonbänder haben die Regensburger Archivare den Kulturschatz für die Nachwelt gesichert.

„Mädchen, Mädchen, wie willst Du Dir denn ein Zusatz-Taschengeld verdienen, wenn du keine Zeitung liest. Da steht doch ganz genau drin: Unser Bestes in die Viereinhalb-Kilo-Packung zum Sonderpreis“, tönte eine für das heutige Ohr fast unangenehm aufdringliche Männerstimme in der Bundesrepublik der siebziger Jahre aus dem Radio. „Heute wäre so ein Spot unvorstellbar“, sagt Gabriele Gerber, die Koordinatorin des Archivs.

Die Reklame-Sammlung aus den Jahren 1948 bis in die Gegenwart gewährt erstaunliche Einblicke in die deutsche Geschichte und darüber, wie sich die Gesellschaft und mit ihr die Werbung gewandelt hat. So wird auch das unrühmliche Ende der Pril-Ente mithilfe der Sammlung nachvollziehbar.

Um dem Spülmittel-Slogan „Pril entspannt das Wasser“ sicht- und hörbare Beweiskraft zu geben, ließ man – im Radio hörbar – eine Ente gluckernd im Pril-Wasser versinken, weil sich der Fettschutz ihres Federkleids auflöste. Erst als in den 70er-Jahren der Tierschutz aufkam, verschwand die „Werbe-Ente“.

Es war purer Zufall, dass die Werbe-Sammlung vor rund 15 Jahren nach Regensburg kam. Eine damalige Doktorandin und heutige wissenschaftliche Betreuerin des Historischen Werbefunkarchivs stieß bei Recherchen für ihre Doktorarbeit in einem verstaubten Keller des Bayerischen Rundfunks auf die Werbeschätze.

Ein Großteil der Sammlung stammt von dem ehemaligen Leiter des Frankfurter Tonstudios Erwin H. Geldmacher. In München wollte man die Tondokumente aus Platzmangel dringend loswerden und so wanderte die Sammlung so gut wie geschenkt nach Regensburg.

Dort haben die Mitarbeiter des Historischen Werbefunkarchivs über drei Jahre in mühevoller Kleinarbeit die Bänder mit einem alten „Telefunken“-Magnetophon abgespielt und in digitale Musikdateien umgewandelt. Heute interessieren sich vor allem Forscher aber auch Museen für die Sammlung.

Quelle: obx-news / Foto: obx-news, Andre Baumgarten