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Deutsche Medien drehen durch: Schneechaos! Megawinter! Flockdown!

Draußen schmilzt der Schnee, online rieseln die Klicks: Wenn im Januar weiße Flocken vom Himmel fallen, verwandeln sich deutsche Nachrichtenportale schneller in Katastrophen-Theater als man Winterreifenpflicht sagen kann.

Angeblich sollten wir ja nie wieder Schnee bekommen, wegen des Klimawandels, nun ist ein ganz normaler Winter da – und medial drehen alle durch.


Elli kommt! Rennt um euer Leben!

Früher hieß es einfach „Es schneit“. Heute? „Sturmtief Elli fegt über Deutschland – bleiben Sie zu Hause!“ Als wäre Elli keine meteorologische Tiefdruckzone, sondern ein Monster aus einem Horrorfilm.

Dabei ist Elli nur das Wetter, das unsere Großeltern noch „Winter“ nannten. Besonders kreativ wird’s bei den Wortschöpfungen: „Flockdown“, „Schneechaos“ und „Monsterwinter“ – klingt alles dramatischer als „Januar macht Januar-Dinge“.

Während der Wetterdienst nüchtern von einem „Wintertag wie aus dem Bilderbuch“ spricht, sehen Boulevard-Redaktionen bereits die Apokalypse nahen.

Die Anatomie der Winterpanik

Das Muster ist simpel: Ein Lkw bleibt nachts auf der A7 stecken, drei Züge fallen aus und in Garmisch liegt Schnee – zack, fertig ist die Story vom bundesweiten Endzeitkollaps.

Dazu ein paar Live-Schalte an Autobahnränder, wo Reporter im Schneematsch stehen und sehr besorgt in die Kamera sprechen. So soll der Content-Sturm entstehen.

Die Sprache leiht man sich munter bei Krieg („Wetterlage“), Pandemie („Schutzmaßnahmen“) und Katastrophenfilmen („Lebensgefahr“) aus. Man könnte meinen, da draußen tobt die Schlacht um Mittelerde und nicht einfach nur ein ganz normaler Winter.

Deutsche Medien drehen durch: Schneechaos! Megawinter! Flockdown!
Deutsche Medien drehen durch: Schneechaos! Megawinter! Flockdown!

Klicks müssen klicken

Der Grund ist banal: Dramatische Wetter-Alerts bringen Reichweite. Push-Nachrichten mit „Horror-Winter“ performen besser als „Heute Schnee, morgen vielleicht auch“.

Liveticker zum „Schnee-Event“ laufen auf Hochtouren, als würde Deutschland gerade von Außerirdischen angegriffen und nicht von Eiskristallen.

Dabei zeigen die Statistiken: Schneetage werden in Deutschland weniger, nicht mehr. Aber „Historisch wenig Schnee, alles entspannt“ verkauft sich halt schlechter als „Schneechaos legt alles lahm“.

Zwischen Vorsicht und Wahnsinn

Klar, Glatteis ist gefährlich, Krankenhäuser behandeln nach Sturmtiefs tatsächlich mehr Knochenbrüche und gestrichene Züge nerven. Warnungen sind sinnvoll.

Nur: Einige warnen sachlich vor „Gefahr für Leben und Gesundheit“. Andere machen daraus den nahenden Weltuntergang.

Am Ende ist es wie immer: Während draußen ganz normal Winter ist, tobt drinnen der Kampf um Aufmerksamkeit. Und wenn Elli durchgezogen ist?

Dann warten alle schon gespannt auf Frank, Gustav, Marlene oder wie das nächste Tief heißt, das uns angeblich ins Verderben stürzt. Bis dahin: Winterreifen drauf, Tee kochen und entspannen. Es ist nur Schnee. Und Kälte. Im Januar.

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Sierks Media / © Fotos: Sierks Media 

Sven Müller

Autor | Redaktion: media@sierks.media