Mit Formel-1-Motoren von Alfa Romeo zu Titeln und Rekorden auf dem Wasser

Mit Formel-1-Motoren von Alfa Romeo zu Titeln und Rekorden auf dem Wasser

– Werksmuseum in Arese schaut zum 110. Geburtstag von Alfa Romeo zurück auf ein erfolgreiches, aber wenig bekanntes Kapitel aus der Historie der Marke.
– Ausstellung „Cavalli Marini“ zeigt Rennboote mit Motoren von Alfa Romeo, die zahlreiche Welt- und Europameisterschaften gewonnen und Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt haben.
– Ein Highlight ist die „Arno II“, die von dem Motortyp angetrieben wurde, mit dem Alfa Romeo 1950 und 1951 die Formel-1-Weltmeisterschaft gewann.
– Von luxuriösen Ausflugsschiffen bis zu Wasserbussen in Venedig – die noch bis Februar 2021 zu sehende Ausstellung gibt einen Überblick über die verschiedenen Einsatzgebiete der Marinemotoren von Alfa Romeo.

Fünf Weltmeisterschaften, darunter die ersten beiden Formel-1-Titel der Geschichte, elf Siege bei der Mille Miglia und zehn bei der Targa Florio, Hunderte weiterer Erfolge in unterschiedlichsten Fahrzeugkategorien – die Historie von Alfa Romeo im Automobil-Rennsport ist jedem Motorsportfan vertraut. Weniger bekannt ist, dass Alfa Romeo auch auf dem Wasser Geschichte geschrieben hat.

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Tatsächlich wurden die von Alfa Romeo entwickelten Technologien und Innovationen in der Mitte des 20. Jahrhunderts erfolgreich auch in Rennbooten eingesetzt, einem Sport, der in jener Zeit ähnlich viele Zuschauer anlockte wie Autorennen. Von den 1920er bis in die 1980er Jahre gehörte Alfa Romeo auch im Motorsport auf dem Wasser zu den festen Größen. Gängige Praxis war es, ursprünglich für Flugzeuge oder Fahrzeuge konstruierte Motoren für den maritimen Einsatz zu adaptieren.

Ging es um Rennboote, griffen die Ingenieure gerne auf die Triebwerke der besonders leistungsfähigen Rennautos von Alfa Romeo zurück. Die Palette reichte von Motoren der Modelle Giulietta, Giulia GTA und Montreal bis zu den Formel-1-Achtzylindern vom Tipo 158. Alfa Romeo war auf dem Wasser an ähnlich vielen Geschwindigkeitsrekorden sowie Welt- und Europameistertiteln beteiligt wie auf der Straße.

Diesem Aspekt der abwechslungsreichen Markenhistorie widmet sich die Sonderausstellung „Cavalli Marini“ (Seepferdchen), die das Werksmuseum in Arese (bei Mailand) aus Anlass des 110. Geburtstags von Alfa Romeo zeigt. Die noch bis 21. Februar 2021 zu sehende Präsentation zeigt einen Überblick über die „Zweitverwendung“ vieler Motoren von Alfa Romeo. Sie reichte von Rennbooten über Wasserbusse, die in der Lagunenstadt Venedig eingesetzt wurden, über militärisch genutzte Boote bis zu Schiffen für den Warentransport.

Als Marke, die eine große Historie im Automobil-Rennsport hat, kann Alfa Romeo auch im Motorbootsport eine umfangreiche Liste von Erfolgen vorzuweisen. Neun der zehn Boote aus der Ausstellung „Cavalli Maritni“ – das zehnte ist ein Freizeitboot – vereinen auf sich elf Weltrekorde, sechs Titel bei Weltmeisterschaften, sieben bei Europameisterschaften, neun bei italienischen Meisterschaften sowie Goldmedaillen des italienischen Olympischen Komitees.

Präsentiert werden die Motortypen, die zu diesen Erfolgen beigetragen haben. Sie wurden ursprünglich entwickelt zum Beispiel für den Grand-Prix-Rennwagen Tipo 158 „Alfetta“, den Alfa Romeo Montreal oder den Langstrecken-Rennwagen Tipo 33.

Die drei Karrieren des Motors aus dem Rennwagen „Alfetta“

Einige der Motoren, die in Rennbooten eingesetzt wurden, waren Leihgaben der Alfa Romeo Rennsportabteilung und wurden auch von den Werkstechnikern betreut. Ein Beispiel dafür sind die Achtzylinder aus dem Grand-Prix-Rennwagen Tipo 158 „Alfetta“. Vor diesem Hintergrund ermöglichte die aktuelle Ausstellung im Werksmuseum ein historisches Wiedersehen zwischen der „Arno II“, einem 1946 von der Werft Picchiotti in Viareggio gebauten Einrumpfboot, und ihrer damaligen Antriebsquelle, dem Grand-Prix-Motor von Alfa Romeo.

Tatsächlich bescherte der kompressoraufgeladene Reihenachtzylinder Alfa Romeo drei Weltmeistertitel auf dem Wasser, bevor er im Rennwagen „Alfetta“ 1950 und 1951 die beiden ersten jemals ausgetragenen Formel-1-Weltmeisterschaft gewann. Achille Castoldi erzielte mit der Kraft der Alfa Romeo Rennmotoren mit der „Arno II“ außerdem 1940 einen Geschwindigkeitsweltrekord für Rennboote in der 400-Kilogramm-Klasse.

Mit Formel-1-Motoren von Alfa Romeo zu Titeln und Rekorden auf dem Wasser
Mit Formel-1-Motoren von Alfa Romeo zu Titeln und Rekorden auf dem Wasser

Castoldi hatte schon 1938 mit Alfa Romeo ein Exklusivabkommen über den Einsatz des Tipo 158 Motors bei Bootswettbewerben geschlossen. Er versteckte außerdem mehrere „Alfetta“ während des Zweiten Weltkriegs auf seinem Bauernhof, um sie vor Bombenangriffen und Beschlagnahmungen zu bewahren. Seine „Arno II“ wurde sogar mindestens einmal von Grand-Prix-Pilot Achille Varzi gesteuert, der 1948 damit eine Podiumsplatzierung beim Luino-Cup erzielte.

Als Einrumpfboote 1949 aufgrund einer Reglementsänderung nicht mehr konkurrenzfähig waren, wurde die „Arno II“ ohne Motor eingelagert und nie wieder eingesetzt. In der Ausstellung „Cavalli Marini“ sind Motor und Boot nun wiedervereint, die „Arno II“ wurde aus diesem Anlass von Grund auf restauriert.

Sogar nach dem Ausstieg von Alfa Romeo aus der Formel 1 Ende der Saison 1951 wurden die Motoren der „Alfetta“ weiter in Rennbooten eingesetzt. Die „Laura III“ wurde sogar von gleich zwei der exklusiven Formel-1-Motoren angetrieben. Motorboot-Asse wie Mario Verga, Ezio Selva und Achille Castoldi sammelten mit Alfa Romeo Motoren weiterhin Rennsiege und Geschwindigkeitsrekorde.

Parade der Weltmeister

Die Ausstellung im Alfa Romeo Werksmuseum zeigt auch andere Boote mit einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte. So gewann die von der Celli-Werft in Venedig gebaut „Loustic 2“ mit der Kraft des 1.300-Kubikzentimeter-Motors der Giulietta 1964 drei Weltmeistertitel in ihrer Klasse über Distanzen von fünf, zehn und 15 Meilen. Die ausgestellte „Molinari-Alfa Romeo 2500“ holte 1966 einen Weltmeistertitel. Das einzige noch existierende Boot dieser Baureihe wurde für das Team Agusta Fortunato Libanori gebaut. Der Rumpf besteht aus einer Aluminiumlegierung aus der Luftfahrt, die vom Helikopter-Hersteller Agusta produziert wurde.

Als Hommage an die Zusammenarbeit mit Agusta ist das Bootsheck in den Farben der Fluglinie Alitalia gehalten. Das Rennboot „Dalla Pietà-Alfa Romeo“ gewann zwischen 1968 und 1970 drei Europameisterschaften sowie zwei italienische Titel. Das in Arese zu sehende Einzelstück wurde einst für Luigi Raineri gebaut, einen damals berühmten Veredler von Bootsrennmotoren der Marke Alfa Romeo.

Ebenfalls zu sehen ist die „Molivio“ mit dem von der Alfa Romeo Rennabteilung Autodelta vorbereiteten Motor aus einer Alfa Romeo Giulia GTA. Leopoldo Casanova erzielte mit dem Boot zwischen 1968 und 1972 einen europäischen und vier italienische Titel, außerdem stellte er vier Geschwindigkeitsweltrekorde in drei verschiedenen Klassen auf.

Die „Celli“ aus dem Jahr 1970 war das erste von vier Rennbooten der 2,5-Liter-Kategorie, die von einem von Autodelta präparierten Achtzylinder aus dem Alfa Romeo Montreal angetrieben wurde. Gesteuert wurde sie von Antonio Pietrobelli, einem berühmten Fahrer und Gewinner von mehreren Titeln in italienischer, Europa- und Weltmeisterschaft.

Die Reihe wird durch ein Rennboot fortgeführt, das von den Lucini-Werften in Como für Franco Cantando gebaut wurde. Cantando stellte damit 1974 einen Weltrekord auf und wurde im folgenden Jahr Weltmeister. Ergänzt wird die Parade der Weltmeister durch die „Popoli-Alfa Romeo“ aus der hauseigenen Sammlung des Alfa Romeo Werksmuseums.

Im Rumpf dieses Bootes steckt der Motor aus dem Langstrecken-Rennwagen Tipo 33, der von Autodelta auf 2,5 Liter Hubraum vergrößert wurde. Mit der „Popoli-Alfa Romeo“ stellte Leopoldo Casanova 1969 einen Weltrekord in der Klasse „KC 500 KG“ auf, der bis heute nicht übertroffen wurde. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit:  225,145 km/h.

Von Wasserbussen für Venedig bis zu militärischen Kleinbooten

Die von Alfa Romeo auf dem Wasser geschriebene Geschichte besteht nicht nur aus Rennen und Rekorden. So erhielt das luxuriöse Sportboot „Glauco“, gebaut von der Werft Vidoli in Stresa im Jahr 1932, den Sechszylindermotor eines Alfa Romeo 6C 1750. Die „Glauco“ war das typische Boot für die Freizeitvergnügen der wohlhabenden Familien der damaligen Zeit. Das in Arese ausgestellte Exemplar stammt aus der Sammlung des Museo Barca Lariana, dem Museum für historische Boote am Comer See.

Abgerundet wird die Sonderausstellung „Cavalli Marini“ im Alfa Romeo Werksmuseum durch einzigartige maßstabsgetreue Modelle, historische Bildern und zeitgenössische Dokumente. Sie zeigen unter anderem mit Alfa Romeo ausgestattete Wasserbusse in Venedig und Sprengboote, die im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurden.

Die Ausstellung wird vom Museo Barca Lariana und der Federazione Italiana Motonautica unterstützt. Sie ist während der regulären Öffnungszeiten des Museums (derzeit Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr) mit der regulären Eintrittskarte zugänglich.

Ausstellung „Cavalli Marini“
Museo Storico Alfa Romeo
Viale Alfa Romeo, 20200 Arese (Nähe Mailand)
www.museoalfaromeo.com

Pressekontakt:
Anne Wollek
Tel: +49 69 66988-450
E-Mail: anne.wollek@fcagroup.com

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